European Soccer

Sie werden diese bizarre Wahrheit über das Fußball-Outfit niemals glauben

Home » European Soccer News » Sie werden diese bizarre Wahrheit über das Fußball-Outfit niemals glauben
read more

SPIEGEL ONLINE: Herr Appenowitz, was fasziniert Sie an Fußballtrikots?

44+ Genial Bild von Fußball Outfit

44+ Genial Bild von Fußball Outfit ist Neu Bilder von Fußball Outfit

Stefan Appenowitz: Die vielen Anekdoten aus mehr als einem halben Jahrhundert Bundesliga-Geschichte. Wie die Bayern im Jahr 2001 in Köln in ihren weißen ärmellosen Trainingsleibchen antreten mussten – weil sie keine Ausweichtrikots dabeihatten. Oder wie Bayer Uerdingen 1988 beim Auswärtsspiel in Frankfurt in Trikots der deutschen Nationalmannschaft gespielt hat, die ein DFB-Mitarbeiter schnell aus der DFB-Zentrale nebenan organisierte.

SPIEGEL ONLINE: Wie kam die Trikotwerbung in die Bundesliga?

Appenowitz: Dass Eintracht Braunschweig 1973 der Pionier war – mit Jägermeister auf dem Trikot -wissen ja die meisten. Aber was ist mit den Firmen, die danach kamen? Wieso wurde der Rasiererhersteller Remington Sponsor bei Eintracht Frankfurt? Wie kam der Campari-Schriftzug auf die Trikots des HSV? Eine spezielle Form des Trikotsponsorings gab es übrigens schon vor den Braunschweigern.

SPIEGEL ONLINE: Das müssen Sie erklären.

Appenowitz: Ich meine das rot-weiß gestreifte Werder-Trikot aus der Saison 1971/1972, in dem die sogenannte Millionen-Elf auflief. Das war im Grunde das erste Sponsoring, wenn auch nicht offiziell. Die Stadt Bremen und potente Mitglieder der Bremer Wirtschaft haben Werder damals viel Geld gegeben, um eine Mannschaft zusammenstellen, die um die Meisterschaft mitspielen sollte. Im Gegenzug verzichtete Werder auf seine weiß-grünen Vereinsfarben und lief in rot-weiß-gestreiften Speckflaggentrikots auf – in den Landesfarben von Bremen. Und der Bremer Schlüssel ersetzte die Werder-Raute auf der Brust.

Werder Bremen 1971/1972: Das erste Trikotsponsoring der Bundesligageschichte? Die Stadt Bremen und mehrere Kaufleute wollten mit ihren Investitionen den zweiten Meistertitel erzwingen. Ohne Erfolg: Werder landete auf einem enttäuschenden elften Rang – und spielte in der Folgesaison wieder im traditionellen grün-weißen Outfit.

Bayern München 1970/1971: Ein anderer Klassiker in Rot und Weiß – das Modell, in dem Franz Beckenbauer Anfang der Siebzigerjahre das Spiel der Bayern lenkte.

Borussia Mönchengladbach 1971/1972: Der große Widersacher der Münchner in dieser Phase der Bundesliga hieß Borussia Mönchengladbach. Das Foto zeigt ein Originaltrikot des dänischen Spielers Ulrik Le Fevre – ein echter Designklassiker.

Eintracht Braunschweig 1975/1976: Der Startschuss für die Trikotwerbung fiel im Jahr 1973. Am 24. März lief Eintracht Braunschweig erstmals mit dem berühmten Hirsch auf der Brust auf. Appenowitz wirft in seinem Buch allerdings die Frage auf, ob wirklich der Unternehmer Günter Mast die Idee dazu hatte – oder der Rollhockey-Sportfunktionär Klaus-Dieter Seisselberg. “Hundertprozentig aufzuklären ist der Sachverhalt nicht mehr”, so Appenowitz.

Cool 60+ Bilder von Fußball Outfit

Cool 60+ Bilder von Fußball Outfit ist Exklusiv Stock von Fußball Outfit

Eintracht Frankfurt 1974/1975: In diesem Trikot lief Helmut Müller für die Eintracht in einem Auswärtsspiel auf. Remington war der erste Trikotsponsor der Frankfurter, das Foto zeigt eines der seltenen Exemplare ohne Vereinslogo – heutzutage undenkbar.

FC Schalke 04 1978/1979: Die Gelsenkirchener stellten sich lange gegen die neuen Vermarktungsmöglichkeiten. “Auf unsere Brust kommt nichts”, sagte Präsident Günter Siebert. Erst 1979 zog Schalke nach und warb (unentgeltlich) für die Deutsche Krebshilfe. Ein Jahr später stieg Trigema als erster zahlender Schalker Trikotsponsor ein.

Hamburger SV 1982/1983: Der HSV reiste in diesem Shirt zum letzten Saisonspiel der Spielzeit 1982/1983 nach Gelsenkirchen. Eigens für diese Partie hatten die Hamburger dieses Trikot angefertigt. Das Design des “Meistertrikots” wurde vor der Saison 2017/2018 neu aufgelegt – das Spieljahr endete mit dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte.

Bayer Uerdigen 1983/1984: Erinnern Sie sich an Pony? Der amerikanische Sportartikelhersteller drängte in den Achtzigerjahren in den deutschen Markt. Das Foto zeigt das Trikot von Horst Feilzer. Auch Borussia Dortmund und Rot-Weiss Essen liefen in der Saison in Pony auf.

Werder Bremen 1987/1988: Den zweiten Deutschen Meistertitel feierte Werder Bremen in diesem Puma-Modell. Das abgebildete Shirt wurde von Mannschaftskapitän Mirko Votava getragen.

FC Homburg 1989/1990: Bevor der FC Homburg in diesem Trikot auflaufen konnte, wurde erbittert über den Werbeschriftzug gestritten. Der DFB argumentierte, das Sponsoring des Kondomherstellers London verstoße gegen die Moral. Homburg musste die Werbung zeitweise abkleben, letztlich erteilte ein Gericht allerdings die Freigabe.

Dynamo Dresden 1991/1992: In diesem Trikot lief unter anderem Uwe Rösler auf. Das gelbe Hemd mit dem Löwenkopf des Automatenherstellers Löwen S.P.O.R.T. genießt in Dresden auch heute noch Kultstatus.

VfL Bochum 1997/1998: Das hässlichste Trikot der Bundesligageschichte? In jedem Fall eines, an das man sich auch Jahrzehnte später noch erinnert: der halbseitige Papageienlook des VfL Bochum. Lotto-Anbieter Faber war gleichzeitig Sponsor und Ausrüster.

SC Freiburg 1993/1994: Die Muster wurden in den Neunzigern gewagter, neue Hersteller wie Uhlsport drängten in die Bundesliga. In diesem Freiburger Trikot lief auch Rodolfo Cardoso auf.

83+ Wunderschönen Bilder von Fußball Outfit

83+ Wunderschönen Bilder von Fußball Outfit ist Wunderschönen Galerie von Fußball Outfit

1860 München 1994/1995: Die Muster wurden in den Neunzigern gewagter, Teil II. Der große Wappendruck, dazu der Sponsor Löwenbräu – auch heute sieht man bei Heimspielen der Sechziger immer wieder Fans in diesem Modell auf den Tribünen.

SPIEGEL ONLINE: Heute ist Trikotwerbung eine Sache der Chefetage. Wer hat sich in den Anfangstagen der Bundesliga um die Trikots gekümmert?

Appenowitz: Die Vereine haben damals ihre Trikots noch ganz normal über den Sportfachhandel bezogen. Das war alles Katalogware. Erst Mitte der Siebzigerjahre gab es die ersten festen Bindungen zwischen den Vereinen und den Ausrüstern. Und selbst dann kam es noch vor, dass die Klubs in Trikots von anderen Herstellern gespielt haben. So lief der 1. FC Kaiserslautern in Hummel oder Le Coq Sportif auf, obwohl Adidas bereits Partner des Klubs war. Das geschah oft, wenn Trikotsätze unvollständig waren und dringend Ersatz hermusste.

SPIEGEL ONLINE: Wie war der Markt aufgeteilt?

Appenowitz: Bis Mitte der Siebzigerjahre waren es vor allem Erima und Bruno Palme. Dann übernahm Adidas Erima und beherrschte zusammen mit Puma bis Ende der Achtzigerjahre die Bundesliga als Ausrüster. In den Neunzigern kamen mit Nike, Reebok, Asics, Diadora, Patrick, Reusch oder Erbacher viele neue Sportartikelhersteller dazu – und alles wurde bunter. Bei den neongelben Dortmund-Trikots haben die meisten BVB-Fans erst mal große Augen gemacht. Prägend für die Neunzigerjahre war auch das Trikot des VfL Bochum.

SPIEGEL ONLINE: Das berühmte Papageiendesign?

Appenowitz: Das Kuriose daran war, dass Faber nicht nur Sponsor, sondern gleichzeitig Ausrüster war. Das waren ja nicht die Farben des VfL, sondern die des Sponsors. Für Faber hat sich das definitiv gelohnt, jeder erinnert sich auch heute noch an diese Trikots. Ob die Shirts qualitativ so gut waren, ist eine andere Frage: Die Spieler haben sich schon beschwert. Der Sponsorenbalken auf der Brust war bretthart, die Bochumer konnten damals kaum ohne abgeklebte Brustwarzen spielen. Man findet dieses Trikot immer wieder in Ranglisten, wenn es um das “hässlichste Bundesligatrikot der Geschichte” geht.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben mehr als fünf Jahrzehnte Trikotgeschichte vor Augen, unterbietet das Bochumer Trikot alles?

Appenowitz: Ich finde es eigentlich ganz cool – wahrscheinlich als einer von wenigen. Aber das ist immer Geschmackssache.

44 Neueste Fotografie von Fußball Outfit

44 Neueste Fotografie von Fußball Outfit ist Cool Fotografie von Fußball Outfit

SPIEGEL ONLINE: Von den Baumwollhemden der Sechziger zu den Hightech-Shirts der Neuzeit ist es eine fortlaufende Geschichte der Kommerzialisierung, die Sie erzählen. Wenn es um die Produktionsbedingungen geht, unter denen die teuren Shirts hergestellt werden, sind Sie vergleichsweise zurückhaltend.

Appenowitz: Mein Wunsch war es, einmal den kompletten Prozess zu begleiten, vom Entwurf bis zur Auslieferung – anhand eines Klubs und eines Trikotdesigns aus der zurückliegenden Saison. Ich habe mit vielen Herstellern gesprochen, alle waren sehr hilfsbereit – ohne sie wäre das Buch in dieser Form gar nicht möglich gewesen. Aber bei der Produktion lassen sie sich leider nicht gern in die Karten schauen.

SPIEGEL ONLINE: Gab es weitere Themenbereiche, bei denen Sie an Grenzen gestoßen sind?

Appenowitz: Die Sammler kennen alle wichtigen Merkmale, an denen man ein Originaltrikot von einem gefälschten Trikot unterscheiden kann. Diese zu verraten, wäre jedoch fatal, da sonst die Fälscher wieder nachziehen würden. Der Markt ist nämlich mittlerweile sehr groß und lukrativ, und es sind viele Fälschungen im Umlauf. Da werden aus Rohlingen und den passenden Patches und Nummern vermeintliche Originale zusammengeschustert und dann auf verschiedenen Onlineplattformen für viel Geld angeboten. Ein unbedarfter Fan hat bei vielen Fälschungen kaum eine Chance, die Unterschiede zu erkennen. Deshalb halten sich die Sammler bei dem Thema verständlicherweise ebenfalls sehr bedeckt.

1963 bis heute

Geramond; 256 Seiten; gebunden; 29,99 Euro

Bei Amazon bestellen. Bei Thalia bestellen.

SPIEGEL ONLINE: Was sind Trikotsammler für Menschen?

Appenowitz: Die meisten sind einfach heiß auf Trikots. Dabei gilt: Je älter die Trikots sind, desto besser. Natürlich müssen die Trikots auch “matchworn” sein – also vom Spieler getragen. Dann gehen die Herzen der Sammler auf. Fast alle haben riesige Sammlungen mit bis zu 2000 und mehr Trikots, manchmal nur von einem einzigen Verein, mal breiter gemischt vom Lieblingsklub bis zur Nationalmannschaft oder internationalen Klubs. Nicht wenige haben sich zu Hause ein eigenes Museum eingerichtet, auf das manche Bundesligisten neidisch werden könnten.

41+ Wunderschönen Bilder von Fußball Outfit

41+ Wunderschönen Bilder von Fußball Outfit ist Wunderschönen Stock von Fußball Outfit

SPIEGEL ONLINE: Was zahlt ein interessierter Sammler für ein Trikot?

Appenowitz: Das kann schnell in den vier- oder gar fünfstelligen Bereich gehen, wenn es eine echte Seltenheit ist. Das entscheidende Kriterium ist jedoch immer: Ist die Quelle sicher? Ist das ein Trikot, das nachweisbar in einem bestimmten Match oder in einer bestimmten Saison getragen wurde? Ein richtig altes Trikot kann dann da locker mal für 5000 Euro oder mehr den Besitzer wechseln.

44 Liebling Hintergründe von Fußball Outfit

44 Liebling Hintergründe von Fußball Outfit ist Exklusiv Fotos von Fußball Outfit

Tolle 84 Bilder von Fußball Outfit

Tolle 84 Bilder von Fußball Outfit ist Exklusiv Bilder von Fußball Outfit

Liebling 26+ Tapete von Fußball Outfit

Liebling 26+ Tapete von Fußball Outfit ist Beste Fotografie von Fußball Outfit

76 nett Tapete von Fußball Outfit

76 nett Tapete von Fußball Outfit ist Schön Stock von Fußball Outfit

33+ Neu Bilder von Fußball Outfit

33+ Neu Bilder von Fußball Outfit ist Beste Stock von Fußball Outfit

Sie werden diese bizarre Wahrheit über das Fußball-Outfit niemals glauben Gallery
Liebling 26+ Tapete von Fußball Outfit44+ Genial Bild von Fußball OutfitTolle 84 Bilder von Fußball Outfit33+ Neu Bilder von Fußball Outfit

Related to Sie werden diese bizarre Wahrheit über das Fußball-Outfit niemals glauben